Ultralokrian ist der spannungsreichste Modus der melodisch-Moll-Familie. Er verdichtet die Dominantfunktion durch die Kombination von grosser Terz mit mehreren alterierten Spannungen: ♭9, ♯9, ♭5 und ♯5. Im Jazz wird er auch als Altered oder Super Lokrisch bezeichnet.
Aufbau und Formel
Ultralokrian folgt 1-♭2-♭3-♭4-♭5-♭6-♭7, wird uber Dominante aber oft als 1-♭9-♯9-3-♭5-♯5-♭7 gelesen. In C ultralokrian sind die Tone C-D♭-E♭-E-G♭-A♭-B♭. Modal betrachtet ist es der 7. Modus von melodisch Moll (zum Beispiel aus D♭ melodisch Moll).
Im Vergleich zu Lokrisch wird der Grad ♭4 im Dominantkontext als grosse Terz umgedeutet. Genau diese Umdeutung erzeugt die altered-Identitat.
Musikalische Verwendung
Ultralokrian wird vor allem uber alterierten Dominantakkorden (z. B. C7alt) direkt vor der Auflosung verwendet, besonders in Jazzkadenzen. Er liefert maximale Vorwartskraft und dichte chromatische Farbe.
Melodisch entsteht starke Richtung, wenn Akkordtone gezielt mit alterierten Nachbartonen umspielt werden. Harmonisch machen Voicings mit 3, ♭7 und ein bis zwei alterierten Erweiterungen den Klang sofort deutlich.
Beispiele
- V7alt-Linien mit Auflosung nach i in Moll-ii-V-i-Verbindungen.
- Dominant-Reharmonisation mit intensiver altered-Farbe vor der Kadenz.
- Fusion- und Modern-Jazz-Phrasen mit dichter Chromatik.
- Vergleichsublichungen zwischen Mixolydisch, lydisch dominant und ultralokrian.
Spielpraxis
Ube Dominantarpeggien mit alterierten Nachbartonen: nutze 3 und ♭7 als Anker und erganzend ♭9, ♯9, ♭5 und ♯5 in kurzen Motiven. Fuhre jede Idee klar zu einem Zielton im Folgeakkord.
Beim Improvisieren sollte funktionale Dominantauflosung im Vordergrund stehen statt statischer Skalenloops. Beim Komponieren eignet sich ultralokrian fur den maximalen Instabilitatsgipfel vor der Entspannung.
